Warum deine Finger am Fels leiden – und wie du das änderst

Warum deine Finger am Fels leiden – und wie du das änderst

Wer schon mal draußen geklettert ist, kennt das Gefühl. Erster Tag nach der langen Hallenwinter, Sonne, endlich echter Fels unter den Fingern. Und nach zwanzig Minuten brennen die Kuppen, als hätte man sie auf Sandpapier gerieben.

Das ist kein Zeichen von Schwäche und auch kein Zufall. Dahinter steckt ein einfacher Grund, den viele unterschätzen: Hallenklettern und Fels sind zwei komplett verschiedene Dinge. Nicht nur für die Technik, sondern vor allem für die Haut.

Kunstgriff ist nicht gleich Fels

In der Halle weißt du, was dich erwartet. Die Griffe sind aus Kunstharz, haben eine definierte Textur und verändern sich nicht. Deine Haut gewöhnt sich an genau diese Belastung. Sie wird zäher an den richtigen Stellen, aber eben auch nur dort.

Draußen ist alles anders. Echter Fels ist lebendig im wahrsten Sinne. Er ist rau, manchmal kristallin, manchmal glatt und speckig, er reagiert auf Feuchtigkeit und Temperatur. Und er nimmt keine Rücksicht auf deine Hallenhaut.

Sandstein, Granit, Kalkstein: jeder Fels ist anders

Nicht jeder Fels verhält sich gleich, und das macht einen großen Unterschied für die Haut.

Sandstein, wie man ihn zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz findet, ist das extremste Beispiel. Das Gestein ist sehr abrasiv, die Haut wird schnell abgerieben. Dazu kommt, dass Sandstein bei Nässe extrem empfindlich ist. Klettern nach dem Regen ist dort nicht nur für die Haut schlecht, sondern beschädigt das Gestein selbst. Viele Gebiete haben deshalb klare Wartezeiten nach Niederschlag.

Granit ist härter und hat oft scharfe Kanten. Er scheuert weniger als Sandstein, aber wenn du eine Kante erwischst, reißt die Haut auf. Typisch für viele Gebiete in den Alpen oder im Schwarzwald.

Kalkstein ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz die häufigste Gesteinsart beim Sportklettern. Er ist für viele Einsteiger gutmütiger als die anderen beiden, aber er reagiert stark auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. An einem heißen, schwülen Tag wirst du merken, dass die Griffe sich ganz anders anfühlen als an einem kühlen Herbstmorgen. Die Haut leidet entsprechend unterschiedlich.

Was in der Haut wirklich passiert

Wenn du von der Halle an den Fels wechselst, trifft deine Haut auf eine Belastung, die sie nicht kennt. Reibung in einem anderen Ausmaß, schärfere Strukturen, dazu Sonne und Wind, die die Haut austrocknen. Es entstehen Mikrorisse, die oberen Hautschichten werden abgerieben, und weil Kletterer naturgemäß viel schwitzen, verliert die Haut gleichzeitig Feuchtigkeit.

Das Ergebnis: nach wenigen Stunden sind die Fingerkuppen wund, gerissen oder empfindlich auf Druck. Wer dann trotzdem weitermacht, riskiert tiefere Einrisse, die tagelang wehtun.

Die häufigsten Fehler

Der größte Fehler ist der erste Tag. Man freut sich, ist motiviert, und klettert drei Stunden am Stück. Die Haut schafft das nicht mit. Lieber zwei kurze Sessions mit einem Tag Pause dazwischen als eine lange Session, nach der man eine Woche aussetzen muss.

Zu viel Chalk ist ein weiterer Klassiker. Chalk (Magnesiumcarbonat) funktioniert, indem es Feuchtigkeit aufsaugt. Das Problem: es zieht auch die Feuchtigkeit aus der Haut selbst. Wer viel chalkt, hat auf Dauer trockenere, rissigere Haut. Draußen ist das besonders spürbar, weil Wind und Sonne die Haut sowieso schon belasten.

Und dann das Thema Pflege nach dem Klettern. In der Halle machen sich die meisten kaum Gedanken darüber. Draußen sollte das aber zur Routine werden.

Was wirklich hilft

Kürzere Sessions zu Beginn der Saison. Das klingt unbefriedigend, ist aber das Einzige, was wirklich funktioniert. Die Haut braucht Zeit, um sich anzupassen. Nach zwei oder drei Wochen regelmäßigem Klettern draußen merkt man den Unterschied deutlich.

Nach dem Klettern: Hände waschen, kurz trocknen lassen, dann eincremen. Keine Alkohol-basierten Produkte, die trocknen zusätzlich aus. Wer Grate oder kleine Risse hat, kann die vorsichtig mit feinem Schleifpapier (180er oder höher) glätten, damit sich keine größeren Einrisse bilden.

Wer weniger Chalk verwenden will, kann auf Aerogel-basierte Alternativen umsteigen. Aerogel funktioniert anders als Chalk: statt Feuchtigkeit aufzusaugen, schließt es sie ein. Die Haut bleibt griffig, trocknet aber weniger aus. CleanGrip von Aventor Sports basiert auf diesem Prinzip und ist speziell fürs Klettern draußen entwickelt worden.

Das Wichtigste bleibt: Draußen klettern ist eine Umgewöhnung. Nicht nur für Technik und Kraft, sondern auch für die Haut. Wer das akzeptiert und ein bisschen Geduld mitbringt, hat nach ein paar Wochen Hände, die mit echtem Fels zurechtkommen.

Und dann macht es endlich wieder richtig Spaß.

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